Wer das kennt: Ein Kind hat sich eine Situation ganz klar vorgestellt – und wenn sie anders kommt, bricht eine Welt zusammen. Als Erwachsene haben wir besser gelernt, damit umzugehen. Wirklich gelassen sind wir aber auch nicht. Die Forschung zum sogenannten „Psychological Contract" (Rousseau, 1989; Robinson & Morrison, 2000) zeigt auch bei Erwachsenen: Unerfüllte Erwartungen in der Zusammenarbeit führen zu Frustration, sinkendem Engagement und im schlimmsten Fall zu Konflikten – unabhängig davon, ob diese Erwartungen je explizit ausgesprochen wurden. In der Praxis zeigt sich immer wieder, wie viel Energie darin steckt, sich übereinander aufzuregen – anstatt miteinander über Erwartungen zu sprechen. Praktizierst Du explizite Erwartungsklärung in Deinem Job? Falls nicht, ist Start – Stop – Continue – Improve genau das richtige Tool dafür.
Hierfür empfehlen wir das Tool!
Immer dann, wenn zwei Parteien – seien es zwei Einzelpersonen, eine Führungskraft und ihr Team, oder zwei Abteilungen – merken, dass die Zusammenarbeit nicht so läuft wie gewünscht. Oder noch besser: präventiv, bevor sich Frustration aufbaut. Wenn es gut durchgeführt und begleitet wird, schafft das Format einen strukturierten und wertschätzenden Rahmen, in dem alle Seiten zu Wort kommen und konkret benennen können, was sie sich voneinander wünschen – ohne dass Schuldzuweisungen im Vordergrund stehen.
So funktioniert es gut!
Beide Seiten bereiten sich individuell vor und notieren in Ruhe ihre Gedanken zu den vier folgenden Kategorien. Erst danach tauschen sie sich aus.
Start - Was soll neu beginnen?
Hier geht es um das, was Du Dir vom Gegenüber (mehr) wünschst – also Verhaltensweisen, Gewohnheiten oder Praktiken, die bislang noch nicht oder zu selten vorkommen, aber einen echten Unterschied machen würden. Formuliere konkret und so, dass die andere Person versteht, was Du Dir vorstellst.
Stop - Was soll aufhören?
In dieser Kategorie landet das, was Dich stört oder bremst. Was macht die andere Seite, das Du Dir so nicht mehr wünschst? Wichtig: Es geht nicht darum, jemanden zu verurteilen, sondern darum, offen zu benennen, was einer guten Zusammenarbeit im Weg steht.
Continue - Was läuft gut und soll genauso bleiben?
Häufig wird vergessen, auch das Positive explizit zu benennen. Diese Kategorie ist bewusst gesetzt: Was funktioniert wirklich gut? Was schätzt Du an der Zusammenarbeit? Was soll auf keinen Fall verloren gehen? Continue ist kein Nice-to-have, sondern ein wichtiger Teil des Austauschs – er setzt den Ton und zeigt, dass das Gespräch keine Abrechnung ist.
Improve - Was ist gut, könnte aber noch besser werden?
Die vierte Kategorie geht über „Weiter so" hinaus. Sie nimmt Dinge in den Blick, die grundsätzlich in die richtige Richtung gehen, aber noch Potenzial haben. Improve ist keine Kritik, sondern eine Einladung zur gemeinsamen Weiterentwicklung.
Geht nun in den Austausch
Nachdem beide Parteien ihre Notizen gemacht haben, tauschen sie sich aus – Kategorie für Kategorie (die Reihenfolge der Kategorien spielt keine Rolle). Das Ziel ist kein Gewinner, sondern ein gemeinsames Verständnis: Welche Wünsche kann die andere Seite erfüllen? Welche nicht – und warum? Was sind beidseitige Zugeständnisse? Die Qualität des Gesprächs hängt maßgeblich davon ab, wie gut man zuhört und wie ehrlich man miteinander ist.
Darauf musst Du achten!
Start – Stop – Continue – Improve (oder kurz SSCI) lebt von der Bereitschaft beider Seiten, wirklich in den Dialog zu gehen. Wenn eine Partei das Format nur als Bühne nutzt, um Kritik loszuwerden, ohne selbst zuhören zu wollen, wird es nicht funktionieren. Das Tool ist auch kein Beichtstuhl, sondern ein gegenseitiger Prozess.
Besonders beim Stop-Teil lohnt es sich, gut zu formulieren: Was genau stört mich – und was brauche ich stattdessen? Ein reines „Hör damit auf" ohne konstruktive Alternative bringt die andere Person in die Defensive. Ein guter Test: Wäre ich selbst bereit, das Gespräch auf dieser Basis zu führen?
Außerdem gilt: Das Tool entfaltet seine Wirkung erst dann richtig, wenn beide Parteien vorbereitet kommen. Ein spontanes „Lass uns jetzt mal kurz SSCI machen" ohne Vorbereitungszeit führt oft zu oberflächlichen Ergebnissen. Plant dafür bewusst Zeit ein – und, falls nötig, eine neutrale Moderation.
So unterstützen wir Dich
Vor allem dann, wenn Situationen emotional aufgeladen sind, kann es schonmal hoch hergehen bei der Klärung von Erwartungen. Sprich uns gerne an und wir unterstützen Dich im Rahmen eines Coaching oder einer Teamentwicklung.
Dies empfehlen wir Dir zusätzlich
Das Tool passt gut zu unserem Tool Gewaltfreie Kommunikation – besonders dann, wenn der Austausch emotional aufgeladen ist und es hilft, die eigenen Beobachtungen, Gefühle und Bedürfnisse klar zu trennen. Eine Alternative zu Start-Stop-Continue-Improve findest Du in unserem Tool Erwartungsklärung (erscheint in Kürze). Die Erwartungsklärung geht noch etwas tiefer und eignet sich eher für 1:1-Gespräch. SSCI eignet sich hingegen eher für komplexe Settings, in denen die Methode so einfach wie möglich sein soll. Dies sind z. B. Teamsettings (Teammitglieder notieren, was sie vom Gesamtteam erwarten, um gut arbeiten zu können oder verschiedene Teams notieren ihre Erwartungen an andere Teams, mit denen sie eng zusammenarbeiten).
Falls Du im Netz nach weiteren Beschreibungen dieses sehr bekannten Tools suchst, so findest Du es in der Regel nur unter dem Begriff Start-Stop-Continue. Die Kategorie Improve haben wir hinzugefügt, nachdem wir häufig das Gefühl hatten, dass es keinen Raum für Dinge gab, die schon gut laufen, aber für eine richtig gute Zusammenarbeit noch besser sein könnten. Miro-Vorlagen findest Du hier: https://miro.com/de/templates/start-stop-continue/