Marshall Rosenberg, der Begründer der Gewaltfreien Kommunikation hat sich Zeit seines Lebens mit Konflikten und deren Beilegung auseinandergesetzt. Es geht dabei nicht darum, andere vom eigenen Standpunkt zu überzeugen oder in der Unterhaltung zu dominieren (das wäre gewaltvolle Kommunikation), sondern so miteinander zu kommunizieren, dass Vertrauen und Freude an der Kommunikation miteinander entstehen. Wenn es Menschen gelingt, Empathie für das Gegenüber aufzubringen, dann ist die Lösung eines Konflikts häufig näher als man denkt.
Hierfür empfehlen wir das Tool!
Immer dann, wenn es sich bereits um einen echten Konflikt handelt, aber auch dann, wenn sich Fronten verhärten, die Polarisierung zunimmt oder man merkt, dass man schnell ins Urteilen über andere Personen kommt, lohnt es sich, die vier Schritte der Gewaltfreien Kommunikation durchzugehen. Dies kann in Eigenregie oder mit einer vertrauten Person erfolgen, um sich selbst zu kalibrieren oder aber direkt im Gespräch mit der anderen Konfliktpartei. Es ist dafür nicht unbedingt erforderlich, dass auch die andere Person die Schritte der Gewaltfreien Kommunikation kennt.
So funktioniert es gut!
Wie schnell sich unser Gehirn Urteile bildet, kannst Du in einem kurzen Selbsttest untersuchen:
Wer nervt Dich?
Überlege kurz, mit welcher Person Du aktuell einen Konflikt hast bzw. mit welcher Person die Kommunikation erschwert ist: Wer nervt Dich? Auf wen hast Du keine Lust? Mit wem gibt es immer wieder Meinungsverschiedenheiten?
Wie sprichst Du über sie / ihn?
Berichte nun einer Freundin oder einem Freund, was diese Person bei der letzten Begegnung getan hat. Erzähle dabei einfach so, wie Du immer über diese Person redest – Nicht schummeln!
Hinterfrage Dich selbst
Frage Dich nun selbst, wie sehr Du bei den Fakten geblieben bist. Deine Aufgabe war es, zu berichten, was die Person getan hat. Vermutlich hast Du aber an einigen Stellen übertrieben, hast das Verhalten nicht beschrieben, sondern bewertet oder hast sogar abwertend über die Person gesprochen.
Wenn es Dir nicht gelungen ist, rein bei den Fakten zu bleiben, sollte Dich das nicht beunruhigen. In der Regel erzählen wir Freund:innen von unbeliebten Mitmenschen, um Mitleid von ihnen zu bekommen. Das funktioniert natürlich besser, wenn die Geschichte etwas dramatisch ist und nicht aus bloßen Fakten besteht.
Für den Konfliktfall ist genau diese Bewertung aber ein Problem, weil sie weder zu einer Deeskalation im eigenen Innern führt noch zu einem guten Gesprächsklima unter den Konfliktparteien beiträgt. Im 1. Schritt nach Rosenberg geht es daher darum, zu beobachten, anstatt zu bewerten. Ist das schwierig? – Ja, sehr! Vor allem dann, wenn es emotional wird. In der Konfliktklärung brauchen wir die Beobachtungen aber, um eine gemeinsame Faktenbasis zu schaffen, die möglichst wenig strittig ist und von der man sich nicht direkt angegriffen fühlt. Ganz häufig trägt diese Verobjektivierung auch dazu bei, selbst festzustellen, dass ein Konflikt gar keine große Basis an Fakten hat, sondern vielmehr mit eigenen Triggern zu tun hat. Ein Konflikt liegt zum großen Teil also auch an mir selbst und nicht nur an der anderen Person.
Ist diese Faktenbasis geklärt, geht es im 2. Schritt um Gefühle, die in den relevanten Situationen ausgelöst wurden. Gefühle sind immer hochsubjektiv, daher sollten echte Gefühle („ich bin traurig / wütend…“) getrennt werden von Pseudogefühlen („ich fühle mich missverstanden / ausgegrenzt…“). Hast Du den Unterschied bemerkt: niemand kann sagen, „es ist falsch, dass Du traurig bist“. Im Gegenteil, jede:r kann ein Gefühl wie Trauer nachvollziehen, wodurch Empathie füreinander entsteht. Beim Pseudogefühl schwingt aber schnell ein versteckter Vorwurf mit: „Du hast mich ausgegrenzt!“ Auch wenn diese Anschuldigung sehr subtil und für manche Personen nicht wahrnehmbar ist, haben wir in hochemotionalen Situationen doch sehr feine Antennen dafür und gehen schnell zum Gegenangriff über.
Rosenberg nimmt weiterhin an, dass hinter jedem negativen Gefühl ein unerfülltes Bedürfnis steckt. Diese gilt es im nächsten Schritt zu beleuchten. Auch Bedürfnisse sind rein subjektiv. Wieder kann niemand sagen, „Dein Bedürfnis ist falsch“. Das spannende an Bedürfnissen ist, dass sie deutlich weniger vielschichtig sind als Gefühle. Wir alle haben mehr oder weniger dieselben Bedürfnisse. Natürlich unterschiedlich stark ausgeprägt, aber zumindest kennen wir alle Bedürfnisse nach Nähe, Wertschätzung, Leichtigkeit, Achtung oder Treue.
Da wir die Bedürfnisse so gut nachvollziehen können, liegt es auch nahe, der anderen Person entgegen kommen zu wollen und eine Lösung zu finden, die die Bedürfnisse aller berücksichtigt. Gelingt es, einander hier gut zuzuhören, ist die Empathie für die andere Person also zum Greifen nahe.
Im letzten Schritt der Gewaltfreien Kommunikation wird auf Basis der ausgetauschten Bedürfnisse eine Bitte an die andere Person formuliert. Hier ist noch einmal Vorsicht geboten. Es geht hier nicht um eine unverhandelbare Forderung, sondern um die gemeinsame Suche nach Handlungsoptionen, die für beide Parteien gut funktionieren.
Darauf musst Du achten!
Die Gewaltfreie Kommunikation ist eine tolle Methode! Aber wie alle Methoden wird sie nicht funktionieren, wenn es kein Interesse an einer Konfliktbeilegung oder Lösungsfindung bei den Konfliktparteien gibt. Die Methode lädt sehr dazu ein, einander zuzuhören, und sich besser zu verstehen. Der US-amerikanische Managementautor Steven Covey sagt: „first seek to understand, then to be understood“. Genau darum geht es hier: erst einmal zuhören und die andere Person verstehen wollen, danach wird man auch selbst besser verstanden. Wenn aber eine Partei nicht zuhören mag, wird auch kein Verständnis füreinander entstehen. Dies ist wichtig im Hinterkopf zu behalten, falls Du selbst Teil des Konflikts bist oder falls Du als Mediator in einem Konflikt vermittelst. Die Verantwortung hierfür bleibt immer bei den Konfliktparteien und dementsprechend solltest Du diesen Punkt auch von den Konfliktparteien einfordern.
So unterstützen wir Dich
Du möchtest das Wissen über Gewaltfreie Kommunikation in Deiner Organisation oder Deinem Team erweitern oder aber einen konkreten Konflikt begleiten lassen? Dann sprich uns gerne für ein Training oder eine Mediation an.