Offene Wahl

Das Vertrauen der Gruppe ist das stärkste Mandat, das man jemandem geben kann.

– Brian Robertson

Dieses Zitat trifft es ziemlich genau: Wenn eine Rolle nicht durch stilles Dulden, sondern durch echtes Vertrauen besetzt wird, verändert sich die Qualität der Zusammenarbeit grundlegend. Und genau da setzt die Offene Wahl an. Wer die Aufgabe übernimmt, tut es nicht, weil niemand sonst wollte – sondern weil das Team diese Person bewusst gewählt hat und für die beste Besetzung hält. Das ist ein Unterschied, der sich im Alltag spürbar bemerkbar macht.

Hierfür empfehlen wir das Tool!

Kennst Du das? Eine Aufgabe soll verteilt werden, und plötzlich werden Blicke gesenkt, Handys gezückt, Unterlagen durchgeblättert. Manche hätten sogar Lust auf den Job, trauen sich aber nicht, sich selbst vorzuschlagen. Das Ergebnis: Die Rolle landet dort, wo sie zufällig landet oder dort, wo sie immer landet – nicht dort, wo sie am besten aufgehoben wäre.

Die Offene Wahl ist ein wertschätzendes Verfahren aus der Soziokratie. Es holt alle Perspektiven ins Team und gibt der gewählten Person etwas mit, das kein Top-down-Assignment bieten kann: das begründete Vertrauen aller anderen.

So funktioniert es gut!

Arbeitet euch gemeinsam durch diese Schritte – am besten mit einer neutralen Moderation, besonders beim ersten Mal.

Darauf musst Du achten!

Die Offene Wahl entfaltet ihre Wirkung nur dann, wenn die Atmosphäre wirklich sicher genug ist, dass Menschen sich selbst vorschlagen können. Das klingt einfach, ist es aber nicht immer – gerade in Teams mit starker Hierarchie oder ausgeprägter Bescheidenheitskultur braucht es ein bisschen Anlaufzeit.Sorgt als Moderation aktiv dafür, dass Selbstnominierungen als Stärke gerahmt werden, nicht als Aufdringlichkeit. Macht deutlich: Es ist ein Dienst am Team, wenn man sagt „Ich glaube, das kann ich gut."

Achtet auch darauf, dass die Argumente wirklich positiv und sachlich bleiben. Die Runde ist keine versteckte Gelegenheit, Kandidat:innen kleinzureden.

Haltet euch genau an den Ablauf. Auch wenn es so aussieht, als könne man eine Abkürzung nehmen und brauche z. B. die zweite Meinungsrunde nicht, so rächt sich das im späteren Verlauf häufig. Nehmt euch die Zeit, die das Format braucht. Es lohnt sich, denn wer gewählt wird, erhält nicht nur eine Aufgabe oder Rolle – sondern das explizite Vertrauen des Teams. Das ist eine Form von Wertschätzung, die in vielen Organisationen schlicht fehlt. Nutzt das bewusst.

So unterstützen wir Dich

Die Offene Wahl gehört zu den schwieriger zu moderierenden Maßnahmen. Eigentlich ist es furchtbar simpel und doch gibt es immer wieder Sonderfälle, in denen Erfahrung gefragt ist, damit das Verfahren positiv und wertschätzend für alle Beteiligten bleibt. Wir unterstützen euch gerne im Rahmen eines Teamworkshops bzw. einer Teamentwicklung dabei, die ersten Wahlen zu gestalten, sodass ihr bald selbst in die Moderation gehen könnt.

Dies empfehlen wir Dir zusätzlich

Schau doch mal unsere Tools zu "Entscheidungen im Konsent treffen" und Rundenbasierte Diskussionen an – beides sind verwandte Werkzeuge aus der Soziokratie, die sich in der Praxis wunderbar mit der Offenen Wahl ergänzen.

Einen guten deutschsprachigen Überblick über alle vier Basisprinzipien der Soziokratie – inklusive der Offenen Wahl – gibt dieses Video vom Soziokratie Zentrum Österreich: https://www.youtube.com/watch?v=3pggHOWgjKQ

Wer tiefer einsteigen möchte, findet hier weiterführende Infos zur Methode: Offene Wahl im Detail erklärt (Sociocracy For All, auf Deutsch): https://www.sociocracyforall.org/de/auswahlverfahren/