Barbara Fredrickson hat recht – das Zwischenmenschliche kommt in vielen Organisationen zu kurz. Dabei zeigt die Forschung der Positive Psychologie, wie wichtig tragfähige Beziehungen für Wohlbefinden und Glück sind. Viele Mitarbeitende fühlen sich in hierarchischen Strukturen nicht gehört – obwohl sie nah an Kund:innen und dem Arbeitsalltag sind und oft wissen, was wirklich hilft.
Das spannungsbasierte Arbeiten kommt aus der Soziokratie. Diese basiert auf Gleichwertigkeit: Jede:r wird gehört, darf sich einbringen. Störungen gelten als wertvolle Hinweise auf Verbesserungsmöglichkeiten. Entscheidungen trifft niemand allein – und dennoch bleibt das System effektiv. Konsentmoderation ist Teil dieses Systems und eingebettet in ein größeres Meetingformat, das wir in :RESOULseed #10 beschreiben.
Hierfür empfehlen wir das Tool!
Wenn Du spürst, dass Du als Führungskraft zu viele Entscheidungen allein triffst, Deine Mitarbeitenden sich nicht gehört fühlen oder Dir echte Beteiligung wichtig ist – schau Dir Konsentmoderation an.
So funktioniert es gut!
In der Soziokratie werden Agendapunkte als Spannungen bezeichnet. Spannungen sind Hinweise auf Verbesserungspotenzial. Jedes Teammitglied kann sie einbringen – so wird Beteiligung gesichert und Risiken minimiert. Es gibt drei Arten von Zielen der Spannungsbearbeitung:
Informationen...
... weitergeben: es ist mir wichtig, den Rest des Teams zu informieren und Bewusstsein für einen bestimmten Aspekt zu schaffen (z. B. es gibt eine Gesetzesänderung, die sich auf unser Tun auswirkt). Da es sich nur um eine Information handelt, lohnt sich eine große Diskussion zu diesem Thema nicht. Daher sind zur zwei Schritte nötig, um eine Informations-Spannung zu bearbeiten:
- Infos teilen (ggf. mit Ergänzung weiterer sachkundiger Personen)
- Verständnisfragen klären (Verständnis bedeutet kein Einverständnis!)
Resonanzen...
... einholen: ich möchte wissen, was der Rest des Teams zu einer anstehenden Entscheidung oder zu einem Thema sagt. Diese Entscheidung wird nicht vom Team getroffen bzw. das Thema nicht vom Team verantwortet (z. B. Wir haben weniger Budget für die Produktentwicklung als geplant. Was denkt ihr, wie wir damit umgehen?). Um diese Spannung zu bearbeiten ist nach a und b ein weiterer Schritt nötig:
- Resonanzrunde: Jede:r äußert sich, sachlich-fachlich bis emotional, alles ist erlaubt. Sollte eine Resonanzrunde nicht ausreichen, können weitere Runden ergänzt werden.
Entscheidung...
...gemeinsam treffen: Ich möchte gemeinsam mit dem Team auf Augenhöhe eine Entscheidung treffen. Die Verantwortung für die Entscheidung liegt bei mir als Führungskraft oder in unserem Team. Nach a-c sind zwei weitere Schritte erforderlich:
- Die Moderation macht einen Vorschlag auf Basis der Resonanzen. Bei komplexen Vorschlägen lohnt es sich, die wesentlich Eckpunkte für alle sichtbar zu notieren.
- Konsentrunde: Nacheinander wird jedes Teammitglied nach dem Konsent oder Einwänden gefragt. Erst wenn alle ihren Konsent gegeben haben, gilt die Entscheidung als getroffen.
Konsent bedeutet
"Kein schwerwiegender, begründeter Einwand im Sinne der gemeinsamen Ziele." Persönliche Vorlieben zählen nicht – nur substanzielle Bedenken. Auch leichte Einwände („komisches Gefühl“) können geäußert werden.
Wenn es doch einen Einwand gibt
- Einwandgeber:in macht Änderungsvorschlag
- Falls sie / er keine Idee hat: erneute Resonanzrunde zu Ideen, um den Einwand zu berücksichtigen
Das klingt aufwendig, ist aber in der Praxis meist effizient. Große Diskussionen zeigen, dass die Entscheidung komplex ist - genau dann lohnt sich Beteiligung.
Darauf musst Du achten!
- Konsentmoderation funktioniert auch in klassischen Organisationen – wichtig ist Klarheit über den Entscheidungsmodus: Holst Du nur Resonanz und entscheidest selbst oder entscheidet das Team mit?
- Viele Führungskräfte haben Sorge, Kontrolle abzugeben. Aber: Du kannst Deinen Konsent immer verweigern. Tatsächlich steigt die Qualität von Entscheidungen durch kollektives Denken. Unser Rat: Entscheidet im Team, wann immer es geht.
- Konsentmoderation braucht Übung – auch beim Nein-Sagen oder Nein-Annehmen.
- Anfangs dauern Resonanzrunden länger – das ist normal.
- Bei „Meckerhaltung“ im Team: nach Lösungsideen fragen.
- Moderation kann langfristig delegiert werden.
- Konsent bedeutet: niemand kann sagen „Ich wurde übergangen“.
- Enthaltung gibt’s nicht – jede:r gibt Konsent oder äußert Einwand.
- Alle Entscheidungen sind vorläufig – Änderungen bei neuen Infos sind möglich, wenn der Einwand wieder schwerwiegend und begründet ist.
So unterstützen wir Dich
Wenn Du spannungsbasiertes Arbeiten einführen willst und Unterstützung brauchst, nimm gerne Kontakt mit uns auf.
Dies empfehlen wir Dir zusätzlich
Video zur Methode: https://downloads.subjectresoul.com/de/seeds/10_Konsentmeetings.mp4
Schwarmintelligenz erklärt: https://www.youtube.com/watch?v=OqmdLcyES_Q
Weitere Infos: https://soziokratiezentrum.org, https://www.sociocracyforall.org/de/