Wir optimieren, skalieren, beschleunigen. Wir füllen Kalender, bauen Reichweite auf, machen uns die Welt mehr und mehr verfügbar. Und doch bleibt manchmal das Gefühl: Irgendetwas fehlt. Die Zusammenarbeit läuft, aber sie berührt nicht. Meetings finden statt, aber echter Dialog bleibt aus.
Der Soziologe Hartmut Rosa hat dafür einen Namen: Entfremdung. Und er setzt ihr ein Gegenbild entgegen, die Resonanz. Nicht als Technik oder Methode, sondern als Qualität von Beziehung: eine lebendige, unberechenbare Verbindung, die entsteht, wenn Menschen einander wirklich wahrnehmen und sich gegenseitig berühren lassen.
Hierfür empfehlen wir das Tool!
Diese Übung eignet sich besonders gut zu Beginn von Teamentwicklungen, Workshops oder Führungsprogrammen, oftmals gerade dann, wenn Du den Wunsch hast, dass Menschen nicht nur nebeneinander arbeiten, sondern wirklich miteinander in Kontakt kommen. Sie schärft die Aufmerksamkeit füreinander, bringt Neues zum Vorschein und schafft eine Atmosphäre, in der Resonanz entstehen kann. Die Übung stammt von Volker Schuler und Falk Schöller.
So funktioniert es gut!
Die Übung findet in Paaren statt und wird von einer moderierenden Person begleitet, die die Impulsfragen nacheinander in die Gruppe gibt. Die Paare sitzen sich gegenüber, möglichst in Ruhe und ohne Ablenkung.
Stilles Wahrnehmen
Zu Beginn betrachten sich die beiden Personen einfach still. Kein Gespräch, kein Kommentar, nur die gegenseitige Aufmerksamkeit. Die erste Impulsfrage lautet: Was seht ihr in eurem Gegenüber? Was sieht sie oder er wohl selbst? Was könnte vielleicht nur euch auffallen?
Wertschätzen
Die zweite Runde richtet den Blick auf das Besondere der anderen Person: Was schätzt ihr an eurem Gegenüber? Was macht sie oder ihn so unverwechselbar und einmalig?
Zauberkräfte zuschreiben
Nun wird es spielerischer: Stellt euch vor, euer Gegenüber würde in einem Fantasyfilm mitspielen. Welche Zauberkräfte würdet ihr ihr oder ihm zuschreiben? Wie würde diese Kraft wirken? Welche Wunder traut ihr ihr oder ihm zu?
Den Blick umkehren
Im letzten Schritt wechselt die Perspektive: Stell Dir vor, was Dein Gegenüber wohl bei Dir gesehen und entdeckt hat. Was hat er oder sie Dir beim Ansehen geschenkt? Welche Würde strahlst Du aus? Mit welch wertschätzenden Worten würde Dich Dein Gegenüber beschreiben?
Darauf musst Du achten!
Resonanz lässt sich nicht erzwingen, das ist zugleich die schönste und die herausforderndste Eigenschaft dieser Übung. Du kannst einen Rahmen schaffen, eine Einladung aussprechen, eine Atmosphäre vorbereiten. Ob sie wirkt, liegt nicht allein in Deiner Hand.
Achte daher besonders auf den Schutzraum, den diese Übung braucht. Stilles Gegenübersitzen kann für manche Menschen ungewohnt oder sogar unangenehm sein. Es hilft, die Übung klar einzubetten, kurz zu erklären, was passiert und warum und gleichzeitig explizit zu machen, dass niemand mehr teilen muss, als er oder sie möchte.
Die Übung entfaltet ihre Wirkung nicht durch Geschwindigkeit. Lass Stille zu. Halte Momente des Innehaltens aus, auch wenn es sich anfangs komisch anfühlt. Gerade diese Pausen sind oft der Ort, an dem Resonanz entsteht.
Und noch was: Diese Übung verändert etwas im Raum. Plane danach bewusst Zeit ein, um das Erlebte kurz zu reflektieren, im Plenum oder in den Paaren. Was ist passiert? Was hat Dich überrascht? Dieses Nachklingen ist Teil der Übung.
So unterstützen wir Dich
Du möchtest Resonanz als Qualität in Deine Teamarbeit oder in ein Führungsprogramm einbringen? Wir begleiten Dich gerne – im Rahmen einer Teamentwicklung oder Führungskräfteentwicklung.
Dies empfehlen wir Dir zusätzlich
Hartmut Rosa: Resonanz. Eine Soziologie der Weltbeziehung (Suhrkamp, 2016) – das Grundlagenwerk, aus dem dieser Gedanke stammt. Anspruchsvoll, aber absolut lesenswert.