Dieses Zitat klingt erstmal wie ein nettes Poster im Pausenraum – aber es trifft einen echten blinden Fleck in vielen Organisationen. Wenn wir nicht weiterkommen, greifen wir zum Telefon und rufen eine Vertraute an, googeln das Problem oder schieben es vor uns her. Dabei sitzt die Lösung oft direkt nebenan: in den Köpfen von Menschen, die unsere Kultur kennen, unsere Sprache sprechen und wissen, was in diesem Haus möglich ist und was nicht. Die Kollegiale Beratung macht dieses Wissen nutzbar – strukturiert, wertschätzend und ohne externe Berater:innen.
Hierfür empfehlen wir das Tool!
Immer dann, wenn Du mit einem beruflichen Thema nicht weiterkommst und das Gefühl hast, Du brauchst frische Perspektiven statt mehr Grübeln. Das kann eine schwierige Führungssituation sein, ein Konflikt im Team, eine strategische Weggabelung oder einfach diese eine Herausforderung, die Dich schon länger beschäftigt und für die Du noch keine befriedigende Antwort gefunden hast.
Die Kollegiale Beratung – oft auch als Intervision bezeichnet – ist kein informelles Kaffeeklatsch-Gespräch, sondern eine strukturierte Methode, die kollektive Intelligenz gezielt aktiviert. Der entscheidende Unterschied zu Coaching oder Supervision: Hier beraten Gleichrangige Gleichrangige. Keine Hierarchie, kein Expertenstatus, kein externer Blick von außen – sondern erfahrene Menschen aus demselben Kontext, die wissen, womit man es hier wirklich zu tun hat.
So funktioniert es gut!
Für eine Kollegiale Beratung braucht es 4–6 Personen, etwas Zeit und einen geschützten Rahmen. Eine Person moderiert und hält die Gruppe in der Struktur – das ist entscheidend. Der Ablauf folgt klaren Phasen:
Herausforderung vorstellen – ohne Unterbrechung (ca. 10 Min.)
Die Person, die Beratung sucht (wir nennen sie in der Folge Fokusperson), schildert ihre Situation frei und ungestört. Die Gruppe hört zu, ohne zu kommentieren, nachzufragen oder Ratschläge zu geben. Kein Nicken, kein „mhm", keine Körpersprache, die bewertet. Einfach zuhören. Das ist ungewohnt – und genau deshalb so wirkungsvoll.
Verständnisfragen beantworten (ca. 10 Min.)
Jetzt darf die Gruppe nachfragen – aber ausschließlich zum Verständnis. Keine versteckten Ratschläge, keine suggestiven Fragen, die schon eine Richtung vorgeben. Es geht darum, das Bild zu vervollständigen, nicht das Problem bereits zu lösen.
Hypothesen aufstellen – schweigend zuhören (ca. 10 Min.)
Das ist die ungewöhnlichste Phase: Die Gruppe spekuliert, wie es zu dem Problem gekommen sein könnte. Welche Dynamiken könnten dahinterstecken? Welche Muster? Welche blinden Flecken? Die Fokusperson hört schweigend zu – und darf sich sogar umdrehen, um nicht durch Reaktionen zu beeinflussen. Individuelle Notizen sind ausdrücklich erwünscht, um z. B. erste Lösungsideen festzuhalten (aber nicht zu nennen). Die Hypothesen sind kein Urteil, sondern ein Angebot. Alle Hypothesen werden für alle - insbesondere für die Fokusperson - gut sichtbar mitgeschrieben.
Hypothesen kommentieren und auswählen (ca. 5 Min.)
Jetzt meldet sich die Fokusperson zurück: Welche Hypothesen haben getroffen? Welche nicht? Es geht nicht darum, alle zu bewerten, sondern maximal zwei auszuwählen, die sich stimmig anfühlen und mit denen man weiterarbeiten möchte. Alle anderen werden verworfen – auch wenn sie noch so interessant klingen.
Lösungsideen entwickeln – wieder schweigend zuhören (ca. 10 Min.)
Die Gruppe entwickelt nun Ideen ausschließlich zu den gewählten Hypothesen. Was wäre möglich? Was könnte helfen? Welche Schritte wären denkbar? Wieder hört die Fokusperson schweigend zu und notiert. Die Gruppe spricht miteinander, nicht zur Fokusperson. Das vermeidet direkten sozialen Druck und ermöglicht ehrlichere Beiträge. Auch die Lösungsideen werden für alle sichtbar notiert.
Nächste Schritte benennen (ca. 5 Min.)
Zum Abschluss teilt die Fokusperson mit, was sie aus der Runde mitnimmt: Welche Impulse haben geholfen? Welche konkreten nächsten Schritte sind geplant? Das gibt der Gruppe eine Rückmeldung und schließt die Beratung würdevoll ab.
Optionaler Schritt: Methodenkritik
Gemeinsam könnt ihr die Methode beurteilen: Wie zufrieden ist die Fokusperson? Wie hat sich der Prozess für die beratenden Personen angefühlt? Worauf solltet ihr beim nächsten Mal achten, damit die Fallberatung noch besser wird?
Wichtig in diesem Schritt: die Versuchung ist groß, am Fall weiter zu diskutieren. Dies sollte die moderierende Person strikt unterbinden. Die Methode ist abgearbeitet, es geht nun nur noch um Kritik. Nachträgliches Diskutieren weicht das Format nur auf und führt in der Regel zu keinen weiteren Erkenntnissen, sondern eher zu Verwirrung.
Darauf musst Du achten!
Die Kollegiale Beratung steht und fällt mit der Disziplin in den einzelnen Phasen – besonders in den Hypothesen- und Lösungsrunden, in denen die Fokusperson schweigt. Das fühlt sich anfangs seltsam an, für alle Beteiligten. Aber genau dieser bewusste Rollenwechsel – erst zuhören, dann denken, dann sprechen – ist der Kern der Methode. Wer die Phasen abkürzt oder durchmischt, verliert den Effekt.
Die Rolle der Moderation ist dabei nicht zu unterschätzen. Jemand muss aufpassen, dass die Gruppe nicht schon in der Verständnisfragen-Phase Lösungen vorwegnimmt oder die Hypothesenrunde in eine Diskussion kippt. Das klingt kleinteilig, macht aber den Unterschied. Wer die Moderation zum ersten Mal übernimmt, wird merken, dass es mehr Aufmerksamkeit braucht als gedacht – und sich mit jeder Runde verbessert.
Noch etwas: Die Kollegiale Beratung ist kein Klagetreffen. Das Ziel ist nicht, sich gegenseitig zu bestätigen, wie schwierig die Situation ist – sondern gemeinsam Hypothesen zu entwickeln und Handlungsmöglichkeiten zu erweitern. Eine wertschätzende, lösungsorientierte Haltung aller Beteiligten ist keine Selbstverständlichkeit, sondern eine bewusste Entscheidung, an die vor jeder Runde erinnert werden darf.
So unterstützen wir Dich
Nimm gerne Kontakt mit uns auf, wenn Du die Kollegiale Beratung bei Dir etablieren möchtest und für die ersten Runden eine neutrale und geübte Moderation brauchst. Diese Methode bietet sich besonders auch für Peer Group Formate an.
Dies empfehlen wir Dir zusätzlich
Es gibt unzählige Varianten der Kollegialen Fallberatung. Die hier vorgestellte ist eine, mit der wir gute Erfahrungen gemacht haben. Schau einfach im Internet nach, wenn du weitere Varianten suchst. Oder Du wirfst einen Blick in das Buch Einführung in die Kollegiale Beratung von Bernd Schmid, Thorsten Veith und Ingeborg Weidner.