Was Goethe in "Faust" beschreibt, ist eine Situation, die wir alle kennen. Innerlich sind wir hin- und hergerissen, es gibt gute Argumente für das Eine, aber eben auch für das Andere... und die große Frage ist "Wie soll ich mich entscheiden?"
Hierfür empfehlen wir das Tool!
Dieses Tool verwenden wir häufig in Coachings, wenn ein Coachee sich damit schwertut, eine Entscheidung zu treffen. „Engel links – Teufel rechts“ – das kennen wir doch aus „Jein“ von Fettes Brot. Es gibt halt so viele Entscheidungsfragen, bei denen mir eine innere Stimme das eine, und die andere innere Stimme das andere einflüstert. Und beide haben irgendwie Recht, denn sie wollen beide das Beste für mich – schließlich wohnen sie ja in mir. Oft bleibt es dann auch nicht bei zwei Stimmen, sondern auf einmal taucht da noch eine dritte, vierte oder fünfte Stimme in mir auf, die sich zu meiner Entscheidungsfrage äußern möchte. Diese Stimmen haben viel mit meiner Sozialisation zu tun und oftmals verbirgt sich hinter der einen Stimme eine Lebensweisheit meiner Oma, ein guter Rat eines Freundes, oder ein beiläufiger Kommentar eines Kollegen, der mir aber irgendwie hängen geblieben ist. All das arbeitet in mir und spricht manchmal in Entscheidungssituationen gleichzeitig mit mir. Und dann wird es unübersichtlich und ich fühle mich nicht in der Lage, eine Entscheidung zu treffen. In einer solchen Situation kann diese Übung helfen, weil sie Struktur in die innere Diskussion bringt und alle Stimmen würdigt.
So funktioniert es gut!
Ihr geht zu Zweit zusammen. Derjenige mit der Entscheidungsfrage ist der Coachee – die andere ist der Coach. Geht dann nach folgendem Ablauf vor:
Die Herausforderung vorstellen
Der „Coachee“ schildert die anstehende Entscheidungssituation oder eine Situation, in der er nicht genau weiß, wie er sich verhalten soll.
Den Stimmen Namen geben
Der Coachee findet Namen für die unterschiedlichen Stimmen seines „Inneren Teams“ und schreibt diese auf. Wählt für diese Stimmen unbedingt positive Namen. Wenn Du Dich z.B. fragst, ob Du eine herausfordernde Rolle in Deiner Organisation übernehmen sollst und eine Deiner inneren Stimmen Dir rät, das zuliebe Deiner Gesundheit nicht zu tun, nenn diese Stimme nicht „den Feigling“ – oder wie auch immer. Schau lieber, was diese Stimme Gutes für Dich will und nenn sie stattdessen „den Beschützer“ oder „den Gesundheitsminister“. Vielleicht hast Du Dich ja schon öfter mal in Deinem Leben überanstrengt und diese Stimme will gut auf Dich und Deine Gesundheit aufpassen.
Die Teammitglieder sprechen lassen
Der Coachee spricht dabei immer laut die guten Absichten der unterschiedlichen Stimmen aus – die/der Coach notieren sich das mit. Wie gesagt: manchmal mögen wir gar nicht so gerne, was uns eine innere Stimme rät und manchmal schämen wir uns fast dafür. Und doch stammen sie aus einem wichtigen Bereich Deines Lebens und wollen, dass es Dir gutgeht. Behandele sie mit Respekt und Wertschätzung und höre Ihnen gut zu.
Den Teamleiter befragen
Nachdem alle Stimmen zu Wort gekommen sind, kommentiert der Coachee quasi aus der Rolle eines Teamleiters, wie sich die Diskussion aus seiner Sicht angehört hat und was in ihm vorgeht. Welche Erkenntnisse haben sich eingestellt?
Die externe Perspektive einbeziehen
Danach kommentiert der Coach, bei welchen Argumenten er die meiste „Energie“ gespürt hat und was ihm sonst noch am Coachee aufgefallen ist, während er Namen und gute Absichten gesammelt hat.
Die Anteile integrieren
Coachee und Coach erarbeiten einen Ansatz, wie möglichst viele der Stimmen in der anstehenden Entscheidung integriert werden können. Das ist natürlich nicht immer leicht und nicht immer klappt es, dass wirklich alle Stimmen berücksichtigt werden können. Es gelingt aber oft, eine Reihenfolge herauszuarbeiten, in der die Stimmen und die dahinterliegenden Bedürfnisse ihren Raum finden. Und vor allen Dingen entsteht eine höhere Achtsamkeit auch für leisere Stimmen – damit baust Du auch Deine Fähigkeit zur Selbstreflexion aus.
Darauf musst Du achten!
Wie in einem echten Team ist es wichtig, dass alle Stimmen gehört werden, dass ihnen Raum und Aufmerksamkeit geschenkt wird und dass Du versuchst, die positive Absicht hinter ihrer Äußerung zu erkennen. Darin liegt ein zentraler Erfolgsfaktor dieser Übung. Gelingt Dir das, wird die Wahrscheinlichkeit höher, dass die Stimmen später nicht wieder in Dir laut werden und Deine Entscheidung torpedieren.
Kurzfristig ist es ja manchmal leichter, einzelne Stimmen wegzudrücken oder zu ignorieren, die einem gerade nicht so gut gefallen. Aber je mehr Du versuchst, sie wegzudrücken, desto mehr werden sie im Nachgang im Hintergrund dafür sorgen, dass Deine Entscheidung nicht nachhaltig ist. Sie wollen, dass ihnen zugehört wird – und darin liegt die Kraft dieser Übung. Allein der Vorgang, dass Du allen Stimmen zuhörst, Ihren Meinungen Raum gibst und Ihre positive Absicht würdigst führt oft dazu, dass sie nicht mehr so stark – oder womöglich gar nicht – in den Widerstand gehen müssen. Ganz wie in echten Teams.
So unterstützen wir Dich
Wir haben das Format hier stark verkürzt dargestellt, da sich der nächste Schritt und das, was ein:e Coach fragt, immer von dem abhängt, was bisher gesagt wurde. Wenn wir Dich in einem Entscheidungsprozess unterstützen können, komme gerne auf uns zu und starte ein Coaching mit uns.
Dies empfehlen wir Dir zusätzlich
Das Innere Team geht auf Friedemann Schulz von Thun zurück, den wir sehr für seine weiteren Modelle und Tools zum Thema Kommunikation (mit sich selbst und mit anderen) empfehlen können. Hier ist das Innere Team noch einmal von ihm beschrieben.