Mit Synergic Inquiry verhält es sich ein bisschen wie mit dem Aufräumen. Erst einmal muss man sich alle aufzuräumenden Elemente einmal genau anschauen, überlegen ob und wofür sie noch hilfreich sein können und sie nach Art oder Zweck sortieren. Anschließend kann man sie dann im entsprechenden Raum so zusammenbringen, dass sich ein gutes Gesamtkonzept ergibt.
Hierfür empfehlen wir das Tool!
In vielen Organisationen prallen unterschiedliche, zum Teil widersprüchliche Aufträge aufeinander: Kosten senken und gleichzeitig investieren, Prozesse stabilisieren und zugleich Neuland erkunden, Verlässlichkeit sichern und zugleich Innovation ermöglichen. In der Regel werden diese Paradoxien über Arbeitsteilung organisiert: verschiedene Einheiten übernehmen unterschiedliche Teile des Widerspruchs – etwa eine IT Abteilung, die für Standardisierung und Sicherheit sorgt und ein Innovation Lab, das bestehende Geschäftsmodelle in Frage stellt und Routinen herausfordern soll. Treffen diese Einheiten an Schnittstellen aufeinander, geraten die dahinterliegenden, legitimen Handlungs und Prozesslogiken häufig in Konflikt und organisationale Spannungen werden als persönliche Konflikte gedeutet („die bürokratischen Langweiler in der IT“ versus „die chaotischen Zettelkleber aus der Innovation“).
Die von Yongming Tang entwickelte Methode Synergic Inquiry hilft Teams und Stakeholdergruppen, diese Spannungen vom Persönlichen auf die System- und Auftragslogik zurückzuholen, sich gegenseitig wohlwollend zu unterstellen, dass alle ein legitimes Ziel verfolgen und Unterschiede in Zielen, Strategien und Annahmen so zu erkunden, dass aus Differenzen bewusst Synergien werden.
So funktioniert es gut!
Setting klären und Fokusgruppen definieren: Klärt zunächst, welche zwei (maximal drei) Gruppen, Bereiche oder Stakeholder gemeinsam arbeiten wollen (z. B. IT und Innovation, Verwaltung und Unternehmen) und welches gemeinsame Oberziel euch verbindet (z. B. Wohlergehen der Organisation, Gelingen eines Projekts).
Selbstbefragung in den Gruppen
Jede Gruppe arbeitet zunächst getrennt für etwa 30–45 Minuten an drei Leitfragen:
- Wofür stehen wir? Bringt dies auf ein bis zwei prägnante Begriffe (z. B. „Sicherheit und Stabilität“ oder „Exploration und Kreativität“).
- Wie machen wir das? Beschreibt möglichst konkret, wie euer Alltag aussieht: Welche Prozesse, Routinen, Entscheidungen und Interaktionen prägen eure Arbeit hinsichtlich „Stabilität“ bzw. „Kreativität“?
- Warum machen wir das so? Haltet fest, welche Annahmen, Überzeugungen und Erfahrungen hinter eurem Vorgehen stehen und warum ihr glaubt, dass diese Art zu handeln der beste Weg ist, euren Auftrag zu erfüllen.
Gegenseitige Präsentation und Spiegelung
- Gruppe A präsentiert Gruppe B ihre Antworten zu den drei Leitfragen; optional könnt ihr dies durch ein Bild, eine Metapher oder eine kleine Performance veranschaulichen („So sehen wir uns/so arbeitet es sich bei uns“).
- Gruppe B spiegelt anschließend ausschließlich, was sie gehört und verstanden hat („Wir haben gehört, dass ihr…“), ohne zu bewerten oder zu kommentieren. Ziel ist, der präsentierenden Gruppe deutlich zu machen: Wir haben euch wirklich gehört.
- Danach tauschen die Gruppen die Rollen, sodass auch Gruppe B präsentiert und Gruppe A spiegelt.
Stärken würdigen, eigene Schwächen reflektieren
- Beide Gruppen ziehen sich erneut jeweils kurz zurück, reflektieren zunächst, welche Stärken sie in der jeweils anderen Gruppe wahrgenommen haben und bringen diese Stärken auf ein bis drei wertschätzende Begriffe.
- Im zweiten Schritt reflektiert jede Gruppe selbstkritisch ihre eigenen Schwächen oder Grenzen ihres Ansatzes und fasst auch diese auf ein bis zwei Begriffe zusammen.
- Anschließend stellt jede Gruppe der anderen ihre Sicht auf deren Stärken und die eigenen Schwächen vor. Die jeweils andere Gruppe gibt ein kurzes Feedback, ob sie sich in den Beschreibungen ausreichend repräsentiert fühlt.
Gemeinsame Ziele und Synergien gestalten
- Führt die Ergebnisse im Plenum zusammen: Wofür stehen die jeweiligen Gruppen, wie arbeiten sie, welche Annahmen leiten sie, welche Stärken und welche selbst gesehenen Schwächen wurden sichtbar?
- Schärft das gemeinsame Oberziel: Was wollen wir zusammen erreichen (z. B. erfolgreiche Produktentwicklung, verlässliche und zugleich nutzerfreundliche Services, gelingende Projektkooperation)?
- Bildet nun gemischte Kleingruppen, in denen alle ursprünglichen Gruppen vertreten sind und bearbeitet die Frage: Wie können wir die Stärken der einzelnen Gruppen gezielt nutzen und die jeweiligen Schwächen durch Zusammenarbeit minimieren oder ausgleichen? Lasst die Kleingruppen Ideen für konkrete Formen der Zusammenarbeit, Absprachen, Schnittstellen-Designs und Kommunikationsroutinen sammeln.
- Zum Abschluss stellt ihr die Ideen im Plenum vor, clustert und priorisiert sie, legt ein gemeinsames Ranking fest und trefft im besten Fall Vereinbarungen zu einigen wenigen, wirksamen Maßnahmen inklusive nächster Schritte und Verantwortlichkeiten.
Darauf musst Du achten!
Nehmt euch, insbesondere wenn die Gruppen zum ersten Mal in diesem Modus zusammenarbeiten, ausreichend Zeit – wir empfehlen mindestens drei Stunden, bei komplexen Themen oder mehreren Stakeholdern eher mehr.
Achtet in der Moderation konsequent auf eine wertschätzende Haltung: In den Spiegelungsphasen geht es ausschließlich darum, wiederzugeben, was gehört wurde, nicht darum, die andere Gruppe zu bewerten oder zu beraten.
Ein wichtiger Punkt in der Phase „Stärken und Schwächen“ ist die klare Rollentrennung: wertschätzt explizit die Stärken der jeweils anderen und reflektiert nur die eigenen Schwächen. Die vermeintlichen Schwächen der anderen sind in der Regel bereits ausreichend im Vorfeld diskutiert worden und haben oft erst zu den Spannungen geführt.
Hilfreich ist es zudem, die Prinzipien der gewaltfreien Kommunikation im Hinterkopf zu behalten: unterstellt allen Beteiligten eine positive Absicht, trennt Ziele von Strategien und erinnert euch daran, dass unterschiedliche Aufträge und Logiken nicht Gegnerschaft bedeuten, sondern eine gemeinsame Ressource für tragfähige, synergetische Lösungen.
So unterstützen wir Dich
Für weniger erfahrene Moderator:innen kann diese Methode eine Herausforderung sein, da auf mehreren Ebenen gedacht werden muss (Was wird inhaltlich gesagt? Wie wird miteinander kommuniziert? Wie reagieren die handelnden Personen aufeinander?). Erfahrenere Moderator:innen werden das gut kennen und können, doch auch bei ihnen kann es sinnvoll sein, sich extern unterstützen zu lassen, um selbst inhaltlich mitdenken zu können.