Systemisches Portrait

Wenn du etwas wissen willst und es durch Meditation nicht finden kannst, so rate ich dir, mein lieber, sinnreicher Freund, mit dem nächsten Bekannten, der dir aufstößt, darüber zu sprechen.

– Heinrich von Kleist: Über die allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden (1811)

Eine Person erzählt einer anderen (Christina Wocintechchat, unsplash.com)

Heinrich von Kleist beschrieb Anfang des 19. Jahrhunderts in einem Brief an einen Freund, dass man manchmal nicht durchs stille Nachdenken, sondern erst durchs Sprechen mit einem Gegenüber zu klaren Gedanken kommt – selbst dann, wenn dieses Gegenüber den Inhalt gar nicht vollständig versteht.

Kleist nannte das die „allmähliche Verfertigung der Gedanken beim Reden“ und unterstrich dabei, dass es in dieser ungewöhnlichen Form des Gesprächs, nicht um gegenseitiges Verständnis, sondern darum geht, dass die sprechende Person ihre Gedanken ordnet und zu neuen Einsichten gelangt.

Hierfür empfehlen wir das Tool!

Das Sprechdenken nutzt genau dieses Prinzip: Durch das Aussprechen der Gedanken werden Muster sichtbar und es entstehen neue und andere Qualitäten der Reflexion als im stillen Grübeln oder Nachdenken. Das Tool eignet sich sowohl zu Beginn thematischer Workshops, um vorhandene Ideen und Vorannahmen zu einem Thema „herunterzuladen“, als auch in der Mitarbeiter:innenentwicklung als Angebot für Menschen, die an einer Frage arbeiten und dabei weniger Ratschläge suchen, aber Klärung benötigen.

So funktioniert es gut!

Hier sind zwei Varianten, wie Du Sprechdenken einsetzen kannst - je nach Kontext.

Darauf musst Du achten!

In beiden Varianten ist es wichtig, die Rolle der Zuhörenden sehr klar zu definieren: Es geht nicht um Verstehen im inhaltlichen Sinn, nicht um gemeinsamen Austausch, nicht um Resonanzen oder Ratschläge, sondern allein darum, einen Raum für lautes Denken bereitzustellen. Viele Menschen empfinden es anfangs ungewohnt, auf Fragen, Bestätigungen und Wertschätzungsgesten zu verzichten. Wenn ihr dies vorab erklärt und gemeinsam ausprobiert, wächst die Sicherheit im Umgang mit dieser Form.

Gerade in der längeren Peer-Coaching-Variante (Variante 2) solltet ihr Pausen explizit „entdramatisieren“ und als wertvolle Phasen kennzeichnen, in denen sich neue Einsichten anbahnen können. Ihr könnt ergänzend darauf hinweisen, dass es vergleichbare Formate unter anderen Namen gibt (z. B. „Time to Think“ oder „Thinking Environment“ bei Nancy Kline, „befreiende Gespräche“ bei Umberto Maturana und Ximena Davila), um deutlich zu machen, dass Sprechdenken eine erprobte und wirksame Reflexionspraxis ist.

So unterstützen wir Dich

Sprechdenken ist eine Praxis, die wir im Coaching einsetzen. Aber auch in Teamentwicklungen kann sie ein sehr mächtiges Tool sein.